Sonntag, 9. November 2008

Lieblingszitate

.
"Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts" (Friedrich Hebbel)



Suche die Freundschaft desjenigen, der wenig Freunde hat. Meide die Freundschaft desjenigen, der keine Feinde hat.



Romantik ist die unerfüllbare Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nie gegeben hat.



Die Macht der Worte lässt einen bei der entsprechenden Wahl intelligent erscheinen. (moi ;-)

Montag, 3. November 2008

„Bauchaufsatz“: Über den Antrieb meines Willens zu schreiben

.

I. Intro: Ich seh` es noch genau vor mir:

Mit ca. fünf Jahren streifte Klein-Annett mal wieder durch den riesigen Garten der Nachbarn hinter`m Haus. Gerade war ihr Opa gestorben. Sie fragte, sich, was Tod heißt, was passiert nachdem man einfach weg, einfach nicht mehr auf der Welt, ist. Mutti meinte, man verwest, also der Körper zerfällt quasi, und der Körper wird teilweise von Würmern aufgefressen und dann ist man einfach weg. Infolgedessen fragte sie sich auch, warum sie überhaupt auf der Welt ist. Klein-Annett ertrug den Gedanken nicht, irgendwann vergessen zu sein. Sie hatte Angst - und sie überlegte in ihrer kindlich-naiven Gedankenwelt, was sie machen könnte, damit dies nicht geschieht. Sie kam auf zwei Sachen: Zum Einen wollte sie später mal ein imposantes großes Grab, ganz umhüllt von Steinplatten (ganz dicke Steinplatten unter und über ihrem Sarg, und auch an den Seiten), mit einer Denkmal-Figur oben drauf - und sie wollte einbalsamiert werden, sodass – sollte auch die Welt einmal untergehen – sie aber niemals einfach weg sein würde. Klein-Annett glaubte nämlich, Stein würde allem standhalten – schließlich ist er doch so hart. Für den Fall, dass irgendwann mal Nachfolgermenschen auf ihr Grab stoßen würden, bräuchten die nur ihr Grab aufhebeln oder so - dann würden die sie finden. Als Mumie sähe sie dann genauso aus wie heute.

Mmh…, aber was sagt das Aussehen schon aus? Dann wüssten die ja trotzdem noch nicht, wer sie, Annett, gewesen ist. Sie könnten nur vermuten, was sie mal auf der Welt getan und wie sie so gelebt hat. Nein, das allein reicht nicht. Sie muss also auch ihre Gedanken und so, ja ihre gesamte Person, irgendwie einfangen! Aber wie nur? … Ein Buch! Mutti liest ihr doch ab und zu abends aus einem Buch vor. Das muss ja auch jemand geschrieben haben. Ja genau, sie würde irgendwann den Nachmenschen einmal ein Buch schreiben über sich, der Annett. Dann wüssten die genau Bescheid über sie! Und sie würde niemals vergessen sein...

II. Heute, ca. 20 Jahre später:

Ich habe auch heute irgendwo noch mit der Vergänglichkeit meiner Selbst zu tun, aber auf andere Art und Weise (gekennzeichnet durch eine mittlerweise natürlich viel komplexere Art der Denke). Heute sehe ich nicht nur meine eigene Vergänglichkeit, sondern auch die meiner Mitmenschen: meiner Familie und Freunde (-und manchmal auch die der gesamten Welt). Allerdings denke ich nicht stets tagein, tagaus darüber nach und verfalle deshalb auch nicht in permanent andauernde Betrübtheit, doch weiß ich, dass mein Handeln schon stark durch diese Gedanken bestimmt wird. Auch heute noch verspüre ich bei solchen Gedanken irgendwie Furcht. Vielleicht hätte mir ein Glauben geholfen… Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, einmal einer Religion anzugehören; dazu fehlt mir die Vorstellungskraft. Mit der Zeit, in all den Jahren des Heranwachsens, kam die Idee auf, dass die Liebe ein weiterer wesentlicher, wenn nicht sogar DER, Faktor ist, um nicht vergessen zu werden. Liebe –in welcher Form auch immer- ist die einzige Kraft, die es ermöglicht, mit Wärme an jemanden auch nach seinem Tod zu denken, ihn also in seinem Herzen zu tragen. Viele bedeutende oder in ihrer Wirkung überschätzte Persönlichkeiten sind noch lange nach ihrem Tod in den Köpfen vieler Menschen präsent, doch wohl kaum in den Herzen. Fragt sich, was gibt den Menschen mehr…

Wenn ich ein ganz besonderer Mensch sei, den man einfach mögen muss, der beeindruckt und Spuren hinterlässt, dann würden auch meine Enkel noch ihren Kindern, und eventuell diese noch ihren, von mir berichten – so der Plan. Aber klar, das ist begrenzt. Aber warum eigentlich bereitet mir diese Begrenztheit, diese Endlichkeit, dieses Verbleiben-nach-dem-Tod so Kopfzerbrechen? Ist das nicht egal, weil nur das Hier und Jetzt für mich persönlich relevant ist? Warum dieses Sich-selbst-so-wichtig-nehmen? Schließlich wüssten meine Nachkommen irgendwann nicht mehr meinen Namen und bestimmte Sachen drum herum. Zwangsläufig wär ich dann doch irgendwann vergessen. Also, doch AUCH –auf Grund von einer gewissen Art von „Selbstverliebtheit“ für ein Publikum schreiben?!

Mit Zunahme der Jahre lernte ich aber auch, wie nichtig und klein ich im großen Pott der Menschen, ja wie unwesentlich ich im Getriebe der Welt, bin: Ein kleines Rädchen von vielen – letzten Endes, trotz aller eventuell aufkeimender emotionaler Einwände- nichtig und klein! Welche Relevanz hat schon das Denken und Geschreibe einer Annett? Keine! Im atheistischen Sinne zu akzeptieren, durch ein rein zufälliges Zusammentreffen von Ei- und Samenzelle entstanden zu sein, das Produkt einer zufälligen Durchmischung mütter- wie väterlicher Chromosomen darzustellen und damit lediglich ein Geno-/Phänotyp im riesigen Genpool zu sein, also nur ein x-beliebiger biologischer Organismus mit naturbedingten Primärbedürfnissen (prinzipiell wie die meisten anderen biologischen Organismen auch) sowie mit -ja vielleicht auch einfach durch rein natürliche Verlangen geprägte- Sekundärbedürfnissen, zu sein, - das so hinzunehmen, fällt schon noch irgendwie schwer. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich so viele stellen und bereits gestellt haben, bleibt… Vielleicht ergibt sich der Trend, das Streben nach Individualität in unserer heutigen industriellen Leistungsgesellschaft, ja auch aus dieser Ohnmacht, welche jene biologische Sicht auf die Entstehung und somit Bestimmung der Art Mensch (Fortpflanzung -> Arterhaltung – Achtung! – Nicht nur Arterhaltung der menschlichen Art, sondern auch anderer gefährdeten Tier- und Pflanzenarten durch den Menschen) erzeugen mag. Derzeitige Antwort für mich auf den meinigen Sinn des Lebens: Freude am Leben zu haben und das Leben weitestgehend zu genießen. Doch dies gestaltet sich –den Umständen gemäß- nicht immer so einfach, denn: „Niemand ist eine Insel“. Nehmen wir einmal ein Bildnis aus der Geometrie: Es gibt zu viele Berührungspunkte mit anderen Mitmenschen, als das wir oder unsere jeweiligen Leben wirklich Passanten wären, d.h. oft scheint es nur so, als würden wir uns nicht beeinflussen, sondern einfach nur strikt aneinander vorbeigehen (frz. passer), was vermutlich Fluch und Segen zugleich bedeutet. So berühren wir uns doch meistens durch unser Handeln tangential, ob nun auf der einzelnen Individualebene oder im globalen Kontext (Völker/Nationen, Staaten-Bündnisse, etc.). Wenn sich unser Leben durch unsere Aktionen mit das unserer Mitmenschen, meistens Familie (Gründung, etc.), überschneidet, dann werden wir zu Sekanten – und umso enger sich die Leben der Mitglieder einer Lebensgemeinschaft (wie Partnerschaft, Ehe, Familie, Volk) annähern sowie gar verzahnen und umso größer damit auch die Dauer von sich schneidenden Lebenswegen wird, desto länger gestaltet sich wohl die Sehne (geometrisch: der Abschnitt der Gerade, welcher innerhalb des Kreises liegt). Damit ist gemeint, dass der Teil der Lebensstrecke, welcher durch zwei Schnittpunkte, z.B. das Kennenlernen und die Verabschiedung einer Person oder auch mehrerer Personen, eingegrenzt wird und an Länge zunimmt. Im Zusammenhang mit meiner selbst entwickelten Theorie der tangentialen Interaktion sei auf Norbert Elias Figurationsbegriff oder auch Interdependenzgeflecht verwiesen (siehe hierzu im Anhang –> Norbert Elias -> Figuration).

Erst durch Bewegung im Leben und in der tangentialen Interaktion mit anderen, entsteht in meinen Augen Persönlichkeit. So erscheint mir das Bildnis von z.B. Passanten-, Tangenten-, Sekanten-Wellen (bzw. -Sinus- wie Kosinuskurven) angebrachter als reine Geraden (-> Parallele: Wirtschaft – Auf-, Abschwung). Man, oder besser die Persönlichkeit, wird quasi durch andere und somit durch die Prägung der Umwelt erschaffen oder zumindestens sehr stark geformt. So ergibt sich ein Auf und Ab wie auch in der Wirtschaft (-> Konjunkturkurve). Das, was die anderen in einem sehen, das, was man fühlt und das, was man gibt - macht das nicht jemanden aus? Wenn die Artgenossen dem Wirken einer Person Relevanz zuschreiben, dann erst gewinnt dieses Tun an Bedeutung. So ist es in der Liebe wie in der Freundschaft, im Berufsleben und in der Kunst. Man lebt in gewisser Weise durch die anderen und wird damit stark durch andere geformt. Oft gestalten sich die Einflüsse nicht auf dem ersten Blick sichtbar, doch manchmal kann schon jedes noch so kleine Wort, eine noch so kleine Geste –egal in welcher Hinsicht, ob nun beleidigend oder positive Gefühle bewirkend- schon bei jemandem mehr oder weniger enorme Spuren hinterlassen. Die Schnittmenge der für einen jeden bedeutendsten Spuren –so erscheint es mir- macht den individuellen Charakter des Menschenwesens aus.* (An Stellen mit einem * sei besonders auf Norbert Elias, einen bedeutenden Soziologen des 20.Jahrhunderts verwiesen, der schon vor mir ganz ähnliche Theorien, nur weitaus differenzierter und qualitativ gut sowie ausgiebig mit historischen Quellen belegt, dargestellt hat und der mich mit seinen Schriften stark beeindruckt und mich damit vor einiger Zeit unbewusst sehr beeinflusst hat – ohne also, dass ich dies sogleich bemerkt habe.)

Den biologischen Sinn des Lebens mögen anscheinend viele der „vernunftgesteuerten“ Menschen heutzutage nicht wahrhaben – zumindest nicht vordergründig. Dennoch wird der Fortpflanzungstrieb, das Weitergeben der eigenen Gene also, scheinbar direkt präsent (in Weltdarstellungen von Komikern/Kabarettisten zum Beispiel). So bestimmt die Regulierung der Arterhaltung in ihren unterschiedlichsten Varianten vermutlich ganz allgemein durchdringend unsere unterschiedlichsten Lebenswelten (hierzu sind auch solche Lebenspläne ohne Kinderwunsch zu zählen!) Auf diese Weise wird wahrscheinlich -mehr als bisher geahnt- die Existenz der Gattung Mensch sowie auch anderer Gattungen reguliert. So wie die Gattung Mensch nur eine unter vielen Lebewesen ist und sich in den einzelnen Biotopen/Habitaten/Lebenswelten wie auch immer gegenüber Pflanzen- und Tierarten behaupten musste und sich die Plätze der Umwelten teilen muss, so müssen wohl wiederum auch jeweilige menschliche Gruppen und Individuen ihren gesellschaftlichen Platz finden. Und es muss ihnen auch zugestanden werden! Achtung!!! Vorsicht: Hiermit ist keine höher- oder minderwertige Positionseinnahme gemeint, wie dieser Gedankengang bereits schon so in der Art sozialdarwinistisch (s. Anhang) ausgelegt und brutal und unmenschlich ausgelebt – und somit auf`s Übelste missbraucht wurde! Deshalb halte ich es auch für unangebracht von einem „Kampf ums Überleben“ im gesellschaftlichen Kontext und teilweise darüber hinausgehend zu sprechen! Jede Existens hat seine Berechtigung und nur durch einen ambivalenten Einklang gemäß des YingYang-Prinzips, das heißt, dass sich alle Existenzen irgendwo/irgendwann tangential oder mehr beeinflussen und benötigen, kann sich meiner Meinung nach ein positives Gleichgewicht einstellen. Nicht umsonst wird heute ja auch Tier- und Pflanzenschutz betrieben, denn der Mensch ist keine Insel und kann also auch nicht losgelöst von anderen Existenzen existieren. Der Mensch hat daher auch nicht mehr Wert! Dies sollte der menschlichen Gattung mit seiner „Vernunft“ stets bewusst sein! Lediglich eine Andersartigkeit einer jeden Gattung, Gruppe, eines jeden Individuums, mit der jeder für sich seinen Platz (Nische) oder gar auch seine Plätze (Nischen) in der Gesellschaft bzw. in den Gesellschaften, in seine für ihn bestehenden Umwelten, finden muss, soll hiermit angedacht sein, damit möglichst jeder sich wohl fühlt. Nicht anders verhält es sich für mich in der Wirtschaft mit den sogenannten Marktlücken. (Bewusst spreche ich übrigens von Pluralitäten!)*

Exkurs: Interessant zu betrachten erscheint an dieser Stelle auch Michel Foucaults (s. Anhang) Theorie: „Foucault beschreibt die Gesellschaft als ein Gebilde, das von kleinsten Machtlinien durchsetzt ist und in der alle Individuen ständig von Machtmechanismen besetzt werden. Macht soll dabei als etwas Vielgestaltiges, Vielschichtiges, Ungreifbares verstanden werden, das Menschen nicht besitzen, sondern höchstens in begrenztem Maße von strategischen Positionen aus steuern können. Äquivalent vertritt Foucault hier eine systemdarwinistische Position, d. h. Systeme (z. B. Staaten, Firmen), deren Überwachung effektiv sowohl die Produktivität steigert als auch die Kosten für Herrschaft reduziert, setzen sich gegenüber anderen Systemen zwangsläufig durch“ (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen).

Da ich es wie Elias sehe und der Meinung bin, dass es keine (gesellschaftlichen) Zustände, sondern nur (gesellschaftlichen) Wandel gibt, so muss dem hinzugefügt werden, dass auch hier nicht von höher- oder minderwertigen Systemen per se gesprochen werden kann. Lokal und temporal begrenzt hat wohl jedes System seine Vor- und Nachteile und somit seine Teilberechtigungen. Doch was heute als nützlich angesehen wird, kann morgen schon wieder als unbrauchbar gelten und sich übermorgen vielleicht auch doch wieder als (teil-)effizient erweisen. Gemäß dem Wandel und der Bewertung des gerade Gegebenen erhält damit alles seine Relevanz! In diesem Zusammenhang stellt sich dann auch die Frage, warum Zurückentwicklungen oft als Rückschritte angesehen und somit negativ gewertet werden. Sollte doch immer betrachtet werden, ob dies nicht einfach nur eine temporale/lokale Begebenheit darstellt – ohne Stufen-/Niveau-behaftetem Beigeschmack…

Wenn ich mir meine persönlichen Systeme auf der Individualebene, also meine Sphäre insgesamt, anschaue, so fällt es mir schwer, eine ökologische Nische zu finden. Ich frage mich: Was sind meine Potenzen (Fähigkeiten, die Ressourcen der Umwelt zu nutzen) und wie sehen meine Toleranzen (Fähigkeiten, Umweltbedingungen in bestimmten Grenzen zu ertragen) aus?

III: So nun nach dem Exkurs in meine ganz abstrakten, teilweise konfusen Meta-Vorstellungen möglichst wieder in meinen eigenen Worten zu meiner eigenen Person – und meinem Schreibvorhaben:

Durch meine, für mich gewohnte, welt- und selbstkritische Sichtweise fällt es mir meist schwer Potenzial in mir selbst zu erkennen. Ich sehe immer, was andere können, so mache ich mich im Vergleich mit anderen immer sehr schnell klein. Doch dann gibt es wieder Momente, in denen ich glaube, doch etwas Besonderes zu sein, etwas zu können, in etwas gut zu sein. Doch bedingt durch meinen Hang zum Perfektionismus verfliegen diese Augenblicke wieder ganz schnell. Ich arbeite jedoch immer bewusster an dem Glauben an mich selbst. Doch mit dem Wissen, nicht viel an Faktenwissen aufweisen zu können, da der Speicherplatz in meinem Langzeitgedächtnis meines Erachtens viel zu gering ist, muss meine Nische wohl etwas anderes sein, als beruflich an einer Spitze zu glänzen. (Der Wille ist zwar schon irgendwie vorhanden, aber die notwendigen Potenzen leider nicht.) Auf Grund meiner „Verkopfung“, meines vielen komplexen Denkens, stehe ich mir oft selbst im Weg: im Lernen/jeglichen Merken von Sachverhalten und auch im Ausleben von Gefühlen – was nicht heißen will, dass ich kein gefühlvoller, empathischer Mensch sei – im Gegenteil: Emotionalität ist ein Wort, welches untrennbar mit mir verbunden ist. In letzter Zeit frage ich mich, ob dies nicht gar der Schlüssel zu meiner Nische ist – wie auch immer diese aussehen mag…

Viele sagen zu mir: „Denk nicht so viel!“ / „Zerbrech Dir nicht (unnötig) Dein hübsches Köpfchen!“ Doch -ganz ehrlich- dies habe ich schon immer getan, wie mein Intro es auch zeigt. Das bin ich!!! Oftmals bin ich dann auch -laut Aussage eines anderen- mehr oder weniger schnell auf irgendeine Art Metaebene. Mir selbst fällt es nicht gerade leicht damit umzugehen, doch viele kommen damit gar nicht zurecht. Das macht einsam – und dieses Gefühl der Andersartigkeit erscheint dann schlecht. Doch was, wenn ich mich nun auf meine Emotionalität als Fähigkeit verlasse? Doch stellt dies überhaupt eine Fähigkeit dar? In unseren derzeitigen Leistungsgesellschaften der westindustriellen Länder hat es sicher kein Gewicht, Emotionen zu verstehen, zu regulieren und vor allem sie „einfach nur“ aushalten zu können. Also kein Gewicht stimmt jetzt wohl auch nicht, aber so ist dies hier doch nicht mit anderen Kulturkreisen zu vergleichen. Perfekt kann man in Sachen Emotionen, und damit Kunst, etc. auch nie sein! Denn es gibt aktuell keinen Maßstab für das Empfinden und den Umgang mit Gefühlen. Fest steht nur: Kunst hat etwas mit dem (Nach-)Empfinden eigener Gefühle und auch dem empathischen Hineinversetzen in die Gedanken und Emotionen anderer sowie dem subjektiven Ausleben von Gefühlen zu tun und steht wohl wie keine andere (berufliche) Wirkung mit der Persönlichkeit im ambivalenten Einklang. Kunst aber meint man oftmals bewerten zu können - oft sogar auch mehr oder weniger schnell… Ist dies also wirklich etwas für mich, für jemanden der innerhalb einer Leistungsgesellschaft sozialisiert wurde: eine mehr oder minder subjektive Bewertung der Persönlichkeit, einem Bereich mit derzeit nicht solide bewertbarer Grundlage? Finde ich hierin meine Nische oder -aus verherrlicht romantischer Perspektive gesprochen- mein Glück? Gibt es überhaupt so etwas wie Selbstbestimmung? Ist dies nicht letzten Endes auch nur ein Konstrukt der Gattung Mensch, dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen sowie auszuleben? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Jemand Weises meinte einmal zu mir: Menschen handeln immer bestimmt durch Gefühle, nur wissen sie dies oft nicht, da sie sich als vernunftsgeleitete Wesen, ihre Gefühle rational zurechtlegen und erklären, sodass sie letzten Endes glauben, sie würden rational handeln. Der Kopf erklärt also den Bauch, doch der Bauch ist es, der den Kopf leitet. - Liegt also der Verdacht nahe, dass wir gar keine wirklich vernunftsbedingten Wesen sind: Es ist wohl vielleicht nur eine rein biologische Bestimmung, dass Menschen sich gemäß ihrer „Vernunft“, auf anderen Ebenen organisieren, als Tiere dies tun. Und den meisten der menschlichen Art ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass „Vernunft“ wahrscheinlich auch nur ein Trieb der Rasse Mensch ist - ob dies nun letzten Endes förderlich für die Arterhaltung ist oder nicht sei dahingestellt.

Jedenfalls hat mich mein ganz individueller biographischer Hintergrund dazugebracht, mir ständig meine eigenen Gefühle und daraus resultierenden Gedanken sowie daraus resultierenden Verhaltensweisen und dem sich daraus ergebenden Charakter zu erklären und meinem Umfeld gemäß ein Stück weit lenken zu können, indem ich in der Regel genau abwäge, was bei diesem und jenen Verhalten ausgelöst und als Reaktion darauf wohl am wahrscheinlichsten erfolgen wird. Natürlich gehört es auch dazu, mir die Gefühle, Gedanken, Verhaltensweisen meiner Mitmenschen zu betrachten und zu hinterfragen, durch was deren Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen wohl bedingt sind. Hieraus ergibt sich eine vorsichtige „Strategie“ mit Menschen umzugehen. Diese Verhaltensstrategie ist jedoch höchst anstrengend auszuleben, weshalb ich für mich daran arbeite dies zurückzufahren und statt der Rationalisierung der Gefühle meinen unverzerrten Empfindungen zu folgen. Erste Erfolge bleiben noch abzuwarten.

Nur noch den Gefühlen zu folgen, poetisch gesprochen: „der Stimme des Herzens folgen“, ist in meinem persönlichen Fall aber wohl auch nur bedingt angebracht, da ich quasi VON JEHER ein äußerst empfindsamer, ein viel zu sensibler und damit ein etwas schwermütiger, Mensch bin und hierdurch schon immer aufgefallen bin, sodass ich damit auch bei Lehrerinnen diesbezüglich auffiel und von einer den Tipp bekam, mir eine dickere Haut, eine Elefantenhaut, wachsen zu lassen. So hieß es am Ende meiner Realschulzeit auch über mich –ich zitiere: „Annett, die alles wusste, die immer antworten musste. Wir sind immer ganz erstaunt, denn sie war meistens gut gelaunt. Doch sensibel ist sie viel zu viel, sie lebte eben ihren eigenen Stil.“

Mir ein dickeres Fell zuzulegen ist mir –meiner Meinung nach- nur ein kleines Stück weit gelungen. Vielmehr versuche ich es, mir meine wahren tiefen Empfindungen nicht mehr so (sehr) anmerken zu lassen. Hieraus resultiert, dass ich meine tiefsten inneren Gefühle in wirklicher Realitätstreue oft für mich behalte oder sie zumindest nur artikulieren, aber oft nicht ungehemmt in voller Breite zeigen kann Jemand meinte einmal zu mir in etwa so: "Ich glaube, Du häherst Dich jemanden erst einmal über Deinen Verstand, Deine Gedanken, bevor Du ihn auch emotional an Dich ranlässt. - Und das braucht seine Zeit". Vermutlich schon ja - das gibt Sicherheit. So schützt der meist sehr bedachte Umgang mit den eigenen Emotionen sowie der ebenso besonnene Umgang mit mich umgebenden Individuen davor, Verletzungen zu erleiden und meinen mehr oder weniger kleinen Wunden gemäß (wiederum) andere vor den Kopf zu stoßen – ohne dies überhaupt wirklich zu wollen. Den über viele Jahre erlernten und antrainierten Schutzmechanismus der Bedachtsamkeit aufzugeben oder zumindestens zu lockern, fällt sehr schwer, da ich immer wieder feststelle, umso gelöster ich bin –was meistens in einem Raum zwischenmenschlicher Interaktivität, der mir Geborgenheit, Wärme, Nähe -also Liebe?, naja zumindest Zuneigung- vermittelt- passiert, oder auch dann wenn ich mich in einer zwischenmenschlichen Umgebung unwohl fühle. Im ersteren Fall spielt völliges Fallenlassen und dem folgend Übermut eine große Rolle, im zweiten Fall sind es die negativen Empfindungen, wie Vernachlässigung, Zurückweisung, Argwohn etc., die mich irrational -heißt für mich- nicht zweckgemäß, denken bzw. evtl. gar auch handeln lassen. Oft erweist sich dies in beiden Fällen nicht als optimal oder zumindest als nicht zweckmäßig, da meine Empfindungen, sprich die Wahrnehmungen und dem gemäße Erklärungen meiner biosozialen Umwelt, nicht unbedingt immer die der Wahrheit naheliegendsten sind bzw. auch manchmal rein gar nicht sinngemäß sind. Es ist natürlich fraglich, ob man überhaupt von einer der-Wahrheit-naheliegendsten-Empfindung bzw. -Erklärung sprechen kann, da ein jeder auf Grund seines Gefühlslebens, seiner ganz persönlichen Sicht auf die Dinge seine ganz individuellen Empfindungen, die nun defacto für einen selbst erstmal Wahrheit sind, besitzt. Nicht umsonst heißt es ja auch: Es gibt nicht nur eine Wahrheit. Leider wird diese Tatsache während des Schlichtens von Konflikten, im generellen Umgang mit zwischenmenschlichen Defiziten/Problemen viel zu schnell aus dem Auge verloren. Vielleicht sollte man in einem Konflikt auch nicht unbedingt klären, ob diese und jene Empfindung gerechtfertigt ist oder nicht, sondern nur inwieweit dieses oder jenes Gefühl, der oder der Gedanke, seine Berechtigung hat. Gefühle und Gedanken dem Konfliktpartner ganz und gar absprechen zu wollen, kann nicht von Sinn sein. Man sollte besser schauen, wie stark, die Empfindungen des anderen sind, was sie bedingen und wie man eine Situation, oder zumindest eine Klärung der Situation, schaffen kann, die möglichst allen Gegenüber, im einfachsten Falle, zwei Interaktionspartnern, möglichst weitestgehend gerecht wird. Schaut man sich die Häufigkeiten von Konflikten und „ungesunden“ zwischenmenschlichen Beziehungen und Trennungen an, so muss klar werden: Ein jeder Mensch ist kompliziert und bietet seine Tücken im Umgang mit ihm. Auf Grund dessen, dass ich mir so viele Gedanken mache oder weshalb auch immer –ich weiß es selbst nicht so genau-, stehe ich wohl unter einigen anderen mit an der Spitze der komplizierten und herausfordernden Menschen. Vielleicht ist es wirklich meine überaus starke Rationalisierung meiner Empfindungen*, die es schwer machen, sich auf mich einzulassen, mich voll und ganz -wie ich dem gemäß eben bin- anzunehmen. Um mich gut bis sehr gut zu regulieren, bedarf es zum einen die nötige Intelligenz sowie Stärke, um diese Rationalisierungen zu verstehen, auszuhalten und adäquat an ihnen mitwirken zu können. Zum anderen ist überaus viel ehrliche Zuneigung/Liebe, generelles Wohlwollen, -und vor allem die Fähigkeit, das auch zeigen zu können!- nötig, damit ich gut bis sehr gut funktioniere. Ein sehr offener Geist und ein großes offenes Herz sind also zwei wesentliche Schlüsselfunktionen. Dies mag meinen Fall nicht von anderen unterscheidbar machen, doch vielleicht aber die Intensität beider Komponenten, die ich beanspruche. Ohne Letzteres sind negative Gedanken/Gefühle geradezu vorprogrammiert.

Stellt dies nicht eigentlich auch ein Äquivalent zu den Bedürfnissen eines Kindes dar? Doch. Nur stehen in der Gesellschaft bei Kindern, auf Grund dessen, dass sie sich in der Phase der Entwicklung befinden, die Bedürfnisse eher im Vordergrund als bei den Erwachsenen. In gewisser Weise verlaufen die Kindheit und Adoleszenz wohl vielleicht auch konträr zur Erwachsenenphase, die im Alter oft auch wieder abnimmt. Als Erwachsener hat man schlichtweg eher Bedürfnisse zu erfüllen/zu stillen. So oder so, beides, Bedürfnisse gestillt zu bekommen oder eben nicht sowie Bedürfnisse zu erfüllen oder es auch nicht zu können und in beiden Fällen die Ohnmacht im Falle des Nicht-Gelingens - wenn Zuneigung/Liebe im Spiel ist- auszuhalten, sind schwierige Unterfangen…

Einmal sagte zu mir eine Soziologie-Professorin, welche großen Eindruck auf mich gemacht hatte: „Sie sind in der Lage, sehr tiefgründig/ausdifferenziert, Strukturen zu betrachten, doch passen Sie auf: Ihre welt- und selbstkritische Art, hindert Sie daran, Dinge wieder auf``s Einfache zurückzuführen!“ Sie hat Recht. Ich merke es gerade just in diesem Augenblick, in dem ich all das hier niederschreibe. Um meine Gefühle sowie Gedankenstränge, -netze zu strukturieren, hilft es mir Gedichte zu schreiben. Und damit:

IV: Zurück zur Ausgangsfrage, warum ich nun schreiben will:

Naja, mittlerweile müsste die Frage aus meiner Sicht ja eher lauten, warum ich mir anmaße, anzunehmen, dass andere Individuen meiner Art, mein Geschreibe als relevant – für was auch immer- annehmen könnten. Antwort: Keine Ahnung! Ich glaube nicht wirklich an die Relevanz meiner Gedankenstränge und schon gar nicht an der Ausführung, sie auf`s Papier zu bringen.

Seien wir doch mal ehrlich, also ich meine ganz ehrlich – so richtig ehrlich: So knülle (prickelnd + geistreich) sind meine Geschreibsel nicht – und mehr oder weniger andere vor mir haben auch schon so oder in etwa so etwas ausgesagt! Doch steht für mich jetzt nicht primär der Nutzen für andere im Vordergrund. Wenn ich schreibe, kann ich – je nach Art des Geschreibsel- meine vermutlich übermäßigen Gedanken sowie Gefühle verarbeiten und vielleicht irgendwie auch etwas besser strukturieren. Das Schreiben hilft mir also – und es gibt mir enorm viel. Ich mag es mich in die Rolle anderer hinzuversetzen, „die Welt“ - oder was auch immer, denn „die Welt“, was ist das schon - aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, auch wenn sich diese beim Niederschreiben immer mit meiner Perspektive vermischen. Ich habe daher früher oft an die Schauspielerei gedacht. Doch, mal abgesehen vor der Angst vor einem Leben mit einer brotlosen Kunst, wollte ich immer schon auch etwas „Neues“ und „Eigenes“ machen. Und das Ausführen von Anweisungen des Regisseurs ist für derlei ja nicht gerade hilfreich. Vielleicht war und bin ich doch auch schon immer eher Beobachter als Akteur in vielen meiner Lebenssituationen gewesen (Warnung: Einsamkeitsfaktor!). Mittlerweile habe ich das Gefühl, gar nicht wirklich „Neues“ und „Eigenes“ erschaffen zu können, so ist mein Anspruch diesbezüglich also auf mächtig gesunken. Vielleicht liegt der Schlüssel auch eher in dem „Wie“, sprich in der Art und Wiese, etwas auszudrücken…- und so etwas „anders“ (meint: neu) darzustellen. Wie auch immer… wenn man sich meine Geschreibsel ansieht, dann wird wohl klar: Naja, netter Versuch, aber dilettantischer Quark. Ich versuche diese Schreibereien als meine ersten Gehversuche anzusehen. Die ersten Worte eines Kindes kommen ja auch nicht „vollendet“ aus ihm hervor. Ich möchte gerne am, erst vor kurzer Zeit richtig begonnenen, Schreiben festhalten, denn hiermit erfülle ich mir einen Lebenstraum. Ob der Beweggrund aus alten Kindertagen nun immer noch für mich entscheidend ist oder nicht, so hat er mich doch vermutlich in meine heutigen Bahnen gelenkt. Insgeheim habe ich diesen Wunsch nie ganz aufgegeben gehabt, doch bin ich dem vorher noch nie richtig nachgegangen.

In den letzten Jahren habe ich aber immer versucht dankbar für jegliche Art von Erfahrung zu sein, weil ich mir ausgemalt habe, dass mir so ziemlich alle Erfahrungen hilfreich sein könnten für eine Art literarisches Schreiben ;-)

V. Warum ich mein Zeug nun hier veröffentliche, wenn ich doch eigentlich für mich schreibe? - Eine Aufzählung:

Nun, naja… also:

1. Übermäßig gesteigerter Mitteilungsdrang (-> Schonung meiner Feunde ;-).

2. An Bedeutung können Schreibereien ja, wie oben bereits angemerkt, nur gewinnen, wenn Leser diese als wertvoll betrachten. (Gut, somit werde dann auch ich wertvoll für die Population -> Hänge ich also doch noch –entgegen meiner eigenen Behauptung- strikt einzig an meinem Kindheitstraum?! Wer weiß…).

3. Schreiben hilft mir und erfüllt mich mit Zufriedenheit. Da ich bis jetzt ja sonst kaum etwas auf der „Haben-Liste des Lebens“vorzuweisen habe und meine „Soll-Seite“ dagegen wesentlich größer ist, so ist es schon beruhigend, es wenigstens geschafft zu haben, Zeilen zu Papier zu bringen. Die Sammlung meiner auch noch so dilettantischen Werke, verdeutlichen mir also etwas Kleines geschafft zu haben, auf das ich blicken und bei dem ich darauf hoffen kann, später einmal daran anknüpfen zu können. Die Schreibereien öffentlich zugänglich zu machen, verstärkt dieses Gefühl.

4. Das öffentliche „Zur-Schau-Stellen“ erhöht meine Motivation, an dieser Tätigkeit zumindest als ein Hobby (dann hab ich wenigstens etwas, dass mich persönlich ausmacht ;-) festzuhalten und ggf. die Qualität meiner Produkte voranzutreiben

5. Jemand sagte zu mir: „Annett, ich glaube, Du wirst oft unterschätzt, weil Du Dir erstmal lange alles anguckst und anhörst, dann erstmal länger für Dich darüber nachdenkst, aber wenn Du dann was sagst, dann hat es Gewicht.“ Sollte dies stimmen, bildet mein langjähriges Schreibvorhaben ja vielleicht ein Äquivalent hierzu? Wer weiß das schon ;-)

6. Ich bin schon immer aufgegangen in darstellerischen Aktivitäten und es engt mich ein, dem nicht nachzugehen. Und ein Abbruch meines Nachdenkens ist nicht in Sicht, denn ich war schon immer philosophisch veranlagt und neige seit Langem zur Melancholie. Das „Warum“ und „Wie“ werden wohl auch künftig entscheidende Denkanstöße für mich sein. Vielleicht lerne ich hierdurch, durch`s Schreiben also, mit dieser Art und Weise zu denken umzugehen und entspannter durch`s Leben zu wandern. Immer heißt es, stell diese Art ab, damit Dir das Leben leichter fällt, doch womöglich brauche ich einfach nur ein Kanal für oder quasi eine Lizenz zum grüblerisches/n Denken? (Achtung: bloß keinen falschen Gedanken aufkommen lassen! Nicht dass ich es wagen würde mich mit dem großen Goethe zu vergleichen, doch muss schließlich auch er sich arg den Kopf zerbrochen habe, um allein solche Szenen wie das Studierzimmer und noch so vieles mehr zu konstruieren. („Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie /Durchaus studiert mit heißem Bemühn. / Da steh' ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor! / Heiße Magister, heiße Doktor gar, / Und ziehe schon an die zehen Jahr / Herauf, herab und quer und krumm / Meine Schüler an der Nase herum - / Und sehe, dass wir nichts wissen können! / Das will mir schier das Herz verbrennen.“. Aus: Faust - Der Tragödie erster Teil, II. Szene) Und er gilt schließlich mit positiver Besetzung als „der große Dichter und DENKER“…

7. Obwohl man (Der Einschub muss sein: Wer zur Hölle ist „man“ ? ;-) eigentlich Kunstprodukte nicht explizit im Sinne der Gut- / Nicht-gut Kategorien bewerten kann, weiß ich auch: Einer Bewertung durch meine eigene Person kann ich mich nicht entziehen. Da ich selbst wohl oft meine größte Kritikerin bin, wird die Bestärkung meiner eigenen Kritik durch andere zwar schwer wiegen, dennoch hält mich ein kleines Fünkchen Glaube an meine „Bestimmung?!“, ein kleines Fünkchen Glaube an mein Können, fest: In meiner gesamten Schullaufbahn habe ich immer Anerkennung für`s Lesen, Schreiben und Spielen von Erzählungen und anderer literarischer Ergüsse bekommen: In der Grundschule sollte ich beim lauten Vorlesen immer die erzählende Person sein. Im freien kreativen Schreiben bekam ich immer gute Noten – mal abgesehen von punktueller Kritik wegen meines umständlichen Ausdrucks ;-) – immer dann, wenn ich mich zu unkoordiniert in meiner Gedankenwelt verloren habe. Auf dem Gymnasium und in meiner vergangenen Jugendtheatergruppe überraschte ich andere und bekam infolgedessen immer wichtige Rollen. Ich bekam Lob selbst von solchen, die ihre Sympathien nicht gerade für mich bereithielten. Und was bitte kann mehr motivieren als –quasi- ein „Lob des Feindes“?

So leitet sich hieraus – getrieben von tiefen Urgefühlen- die aus Vernunft heraus begründete Hoffnung ab: Vielleicht werde ich, ja doch noch einmal, dann und wann in der Lage sein, als Tangente bei meinen Mit- Individuen Relevanz meiner Geschreibsel für sie zu indizieren…


Annett T.

02./03.10.08 – 03.11.08






ANHANG

(Folgende Zusammenfassungen sind leider nahezu vollständig übernommen aus Wikipedia L. Wissenschaftlichem Anspruch können diese also nicht unbedingt gerecht werden, doch reichen sie zur reinen (Kurz-)Info aus…




Teil I

* Zusammenfassung: N. Elias` Entwicklungsmodell

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Elias (23.10.08)

Norbert Elias (* 1897 in Breslau; † 1990 in Amsterdam) war ein Soziologe, Philosoph und Dichter deutsch-jüdischer Herkunft, der in der Emigration die britische Staatsbürgerschaft annahm.

Norbert Elias gilt heute als einer der einflussreichsten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Obwohl er lange nicht beachtet wurde und erst sehr spät eine Professur an der Legon University in Accra/Ghana bekam (1962–1964), wurde sein Werk während der 1970er Jahre zuerst in den Niederlanden, später aber auch in Deutschland und in anderen Ländern (wieder)entdeckt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_Proze%C3%9F_der_Zivilisation (23.10.08)

Über den Prozeß der Zivilisation (1939) ist das bedeutendste Werk des deutschen Soziologen Norbert Elias und begründete seine Zivilisationstheorie. In diesem Werk beschreibt er den langfristigen Wandel der Persönlichkeitsstrukturen in Westeuropa im Zeitraum von etwa 800 bis 1900 n. Chr., dessen Richtung er mit dem Begriff Zivilisation kennzeichnet. Dieser zunächst statisch klingende Begriff ist von Elias als Prozess-Begriff gemeint, im Sinne von "Zivilisierung", wie er es selbst in späteren Jahren formulierte. Das Werk ist in zwei Bände geteilt: Der erste Band behandelt die Psychogenese der modernen Persönlichkeitsstruktur, die er in drei Stadien einteilt: die mittelalterliche courtoisie, die höfische civilité und die neuzeitliche civilisation. Im zweiten Band beschreibt Elias parallel dazu die Soziogenese, die er wiederum in drei Prozessstadien einteilt: Feudalisierung, Monopolisierung von Machtmitteln und der Vergesellschaftung dieser Monopole. Der Neuausgabe 1969 fügte Elias eine ausführliche Einleitung sowie ein Schlusskapitel hinzu.

Elias' Gesamtwerk wird inzwischen weltweit von Soziologen wie von Historikern gleichermaßen rezipiert. Sein neu entwickeltes soziologisches Paradigma (u. a. ein komplexeres Menschenbild) führte dazu, dass Elias vom Außenseiter zu einer zentralen Figur im sozialwissenschaftlichen Diskurs wurde.

Zusammenfassung

Norbert Elias beschreibt "Zivilisierung" als einen langfristigen Wandel der Persönlichkeitsstrukturen, den er auf einen Wandel der Sozialstrukturen zurückführt. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass er sein Entwicklungsmodell zunächst für Westeuropa in der Phase von ca. 800 bis 1900 n. Chr. formulierte. Faktoren des sozialen Wandels sind der kontinuierliche technische Fortschritt und die Differenzierung der Gesellschaften einerseits sowie der ständige Konkurrenz- und Ausscheidungskampf zwischen Menschen und Menschengruppen andererseits. Diese führen zu einer Zentralisierung der Gesellschaften (Einrichtung staatlicher Gewalt- und Steuermonopole) sowie zur Geldwirtschaft. Das Bindeglied zwischen diesen sozialstrukturellen Veränderungen und den Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur ist die Tatsache, dass die gegenseitigen Abhängigkeiten wachsen, die "Interdependenzketten", in die (immer mehr) Menschen eingebunden sind. Dies erzwingt eine zunehmende Selbstkontrolle (auch: Affektkontrolle, Selbstdisziplin), das heißt zwischen spontanem emotionalem Impuls und tatsächlicher Handlung tritt immer mehr ein Zurückhalten dieses Impulses und ein Überdenken der (Rück)Wirkungen des eigenen Handelns. Diese Haltung wird durch Verstärkung des "Über-Ich" verinnerlicht und verfestigt, d. h. der Zentralisierung innerhalb der Gesellschaft folgt mit gewisser Verzögerung eine "Zentralisierung" innerhalb der Persönlichkeit. Diese führt zu vier eng verbundenen Folgen:

  • Vorrücken der "Schamschwellen", d. h. mehr eigene Handlungen sind angstbesetzt;
  • Vorrücken der "Peinlichkeitsschwellen", d. h. mehr Handlungen anderer sind angstbesetzt;
  • "Psychologisierung", d. h. Steigerung der Fähigkeit, die Vorgänge innerhalb anderer Menschen zu verstehen;
  • "Rationalisierung", d. h. Steigerung der "Langsicht", also der Fähigkeit, die Folgen der eigenen Handlungen über immer mehr Glieder der Kausalketten vorauszu"berechnen".

Diese Veränderungen schlagen sich in allen Verhaltensbereichen nieder, z. B.:

  • Gewaltbereitschaft: sinkt allmählich (gegenüber Mitgliedern der eigenen Gesellschaft);
  • Sexualität: wird zunehmend stärker kontrolliert bzw. unterdrückt und tabuisiert;
  • Essen und Trinken: die Formen werden strenger, "feiner" (z. B.: differenziertere Esswerkzeuge);
  • Ausscheidungsfunktionen: werden zunehmend tabuisiert und dem Blick anderer Menschen entzogen.

Wie alle sozialen Prozesse ist auch der Zivilisierungsprozeß zwar gerichtet, aber nicht geplant, und auch nicht unumkehrbar. Es gibt "Entzivilisierungsschübe", beispielsweise den deutschen Nationalsozialismus, dessen Entstehung Elias später in seinem Werk "Studien über die Deutschen" analysiert. Nach Elias "ist die »Zivilisation« ebenso wenig wie die »Rationalisierung« ein Produkt der menschlichen »Ratio« und Resultat einer auf weite Sicht hin berechneten Planung." (Bd. II, S. 312). Für Elias bestimmt eine fundamentale dynamische Verflechtungsordnung ("Figuration") den Gang des geschichtlichen Wandels; "sie ist es, die dem Prozeß der Zivilisation zugrunde liegt." (Bd. II, S. 314). Diese Verflechtungsordnung ist recht einfach: "Pläne und Handlungen, emotionale und rationale Regungen der einzelnen Menschen greifen beständig freundlich oder feindlich ineinander." (Ebenda). Aber er weist auch darauf hin, "daß sich aus allem Planen und Handeln der Menschen vieles ergibt, was kein Mensch bei seinem Handeln eigentlich beabsichtigt hat." (Ebenda). Diese Verflechtungsordnung hat also eine Eigengesetzlichkeit, ist nicht strukturlos; sie ist aber weder rational noch irrational. Dieser Zivilisationsprozess "wird blind in Gang gesetzt und in Gang gehalten durch die Eigendynamik eines Beziehungsgeflechts, ..." (Bd. II, S. 317) - die fundamentale Verflechtungsordnung. Nun behauptet Elias aber nicht, dass alles vorbestimmt sei und die Menschen sich dem Schicksal oder einer Macht hingeben müssten, sondern dass in diesen Zivilisationsprozess eingegriffen werden kann "aufgrund der Kenntnis ihrer ungeplanten Gesetzmäßigkeit." (Bd. II, S. 316).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Elias (23.10.08)

Werk

Seine Prozesssoziologie bzw. Figurationssoziologie legt in allen seinen Werken zwei zentrale Annahmen zugrunde:

  • Figurationssoziologie: Um soziale Prozesse in wirklichkeitsgerechten Theorien abbilden zu können, sind Theorien unzureichend, die „Gesellschaft“ vom Individuum her denken, aber auch solche Theorien, die vom Individuum absehen und vom „Ganzen“ ausgehen. Vielmehr müssen im Mittelpunkt jeder soziologischen Forschung die Menschen und die dynamischen gesellschaftlichen Verflechtungen stehen, die sie miteinander bilden: „Die ‚Umstände‘, die sich ändern, sind nichts, was gleichsam von ‚außen‘ an den Menschen herankommt; die ‚Umstände‘, die sich ändern, sind die Beziehungen zwischen den Menschen selbst.“ (Elias in: Über den Prozess der Zivilisation, 2. Bd.). Unter Figuration versteht Elias ein Bild menschlicher Gesellschaften, das die Einseitigkeit von „Teil“ oder „Ganzem“ vermeidet, indem es die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft abbildet, d. h. eine gegenseitige Abhängigkeit auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft. Dabei können Gesellschaften im Lauf ihrer Entwicklung komplexer werden, ineinander verschachtelte Ebenen haben. Die selben Menschen können verschiedene Figurationen bilden.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Figuration_(Soziologie) (29.10.08)

Figuration auch Interdependenzgeflecht ist ein von Norbert Elias in die Soziologie eingeführter Begriff, der das soziale Zusammensein von Individuen in spezifischen Konstellationen betont. Zur Bedeutung des zuvor von Erich Auerbach 1938 eingeführten literaturwissenschaftlichen Figurationsbegriffs siehe hier.Elias versteht unter einer Figuration ein dynamisches soziales Netzwerk von untereinander abhängigen Individuen. Diese Beziehungen zwischen den Akteuren sind nach Elias das Wesen jeder sozialen Gemeinschaft. Die Soziologie hat demnach die Aufgabe, diese Beziehungsgeflechte zwischen sozialen Akteuren zu untersuchen. In diesem Zusammenhang dient der Begriff dazu, soziologische Untersuchungen über Gruppenstrukturen oder Konstellationen mit denen von individuellen Verhaltensstrukturen zu verbinden. Individuen existieren, wie Gruppen, in Kontexten anderer Individuen und Gruppen, die nur als Geflecht und in Abhängigkeit von einander (interdependent) gedacht werden können. Für Elias fungiert der Begriff als Werkzeug, "mit dessen Hilfe man den gesellschaftlichen Zwang, so zu sprechen und zu denken, als ob »Individuum« und »Gesellschaft« zwei verschiedene und überdies auch antagonistische Figuren seien, zu lockern" (Was ist Soziologie?, 2004). Der Begriff soll den Gegensatz einer solchen Rede und solchen Denkens dialektisch aufheben. Beispiele für Figurationen sind das Verhältnis von Lehrer und Schüler, von Torwart und Mannschaft oder das Verhältnis eines Bürgermeisters zu den Einwohnern eines Dorfes. Im Fall größerer Figurationen - wie bei den Bewohner eines Landes oder sogar im Fall der Weltbürgerschaft - sind die Interdependenzketten nur entsprechend länger und differenzierter.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Elias (23.10.08)

  • Prozesssoziologie: Soziologische Theorien, in denen gesellschaftliche Prozesse statisch gedacht, also auf Zustände reduziert werden und gesellschaftlicher Wandel als eine Abfolge von scheinbar stabilen Zuständen betrachtet wird, zwischen denen es Phasen des Wandels gebe, können nach Elias nicht realitätsgerecht sein. Eine realistische Grundannahme ist stattdessen, dass Realität (und damit Gesellschaften) keine Zustände kennt, sondern ständig in Bewegung ist. Es ist also notwendig, stets Prozesse zu beschreiben, um soziologische Theorien bilden zu können. Es gibt keine Zustände, es gibt nur (gesellschaftlichen) Wandel. Eine seiner Folgerungen ist, dass kein einzelnes gesellschaftliches Phänomen ohne eine Theorie eines langfristigen Wandels zu verstehen oder zu erklären sei. Er fordert die Erarbeitung einer empirisch fundierten Theorie der soziokulturellen Evolution und sieht sich nur als Wegbereiter dafür.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Prozesssoziologie (29.10.08)

Die Prozesssoziologie versteht sich als nicht normativ. Das Weltbild beinhaltet im Gegensatz zur Systemtheorie keine geschlossenen Systeme, sondern Prozesse ohne Anfang und ohne Ende, d.h. auch ohne Ziel. Menschen und ihre immer dynamischen Verflechtungen ("Figurationen"), nicht Kommunikationssysteme stehen im Mittelpunkt der Betrachtung.

Norbert Elias bricht durch seine Theorie mit der langen Denktradition, in der „die Gesellschaft“ dem „als selbständig gedachten Individuum“ gegenübergestellt wurde. Bemerkenswert ist, dass er auch wissenssoziologische Erklärungen dafür anbietet, warum diese Denktraditionen überhaupt entstanden und sich so lange hielten. Elias' Gedanken über das Verhältnis von „Gesellschaft“ und „Individuum“, die sich in nahezu allen seinen Werken finden, führen in letzter Konsequenz zu einer Neudefinition von Begriffen wie „Identität“ und „Selbstwert“ und zu einer in der Geschichte der Soziologie relativ neuartigen Sichtweise auf die Menschen als Akteure mit einem gewissen Freiheitsspielraum im Rahmen der Figurationen, die sie in sozialen Prozessen miteinander bilden. Zudem überwindet Elias damit auch die traditionelle wissenschaftliche Trennung zwischen Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Insbesondere der Geschichtswissenschaft hat Elias in seinen Untersuchungen, vor allem in Über den Prozeß der Zivilisation, wertvolle neue Perspektiven eröffnet: Die Entwicklung vom Feudalismus zur Territorialisierung in Deutschland, die Herausbildung des Königsmechanismus, die Erforschung von Mentalitäten und viele weitere völlig neue und hellsichtige Erkenntnisse sind Norbert Elias zu verdanken.

Sein interdisziplinärer Wissenschaftsansatz der „Menschenwissenschaften“ ist auch heute noch aktuell und sehr produktiv.




Teil II

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus (29.10.08)

Als Sozialdarwinismus werden Theorien bezeichnet, welche die Evolutionstheorie nach Charles Darwin auf menschliche Gesellschaften anwenden und deren Entwicklung als Folge natürlicher Selektion beim „Kampf ums Dasein“ auffassen. In Verbindung mit der wissenschaftlich diskreditierten Theorie menschlicher Rassen bildete der Sozialdarwinismus einen Grundpfeiler der Ideologie des Nationalsozialismus und seiner „Lebensraum“-Doktrin.

Wirkung

Der Sozialdarwinismus wurde zur Rechtfertigung von Imperialismus und Rassismus herangezogen und führte in Deutschland zu Bestrebungen, geistig Behinderten oder schwer Erbkranken zur Vermeidung der genetischen „Degeneration“ das Lebensrecht abzusprechen. Dies führte in der Zeit des Nationalsozialismus schließlich zum Genozid, der massenhaften Ermordung „lebensunwerten Lebens“ oder „minderwertiger Rassen“ wie der jüdischen Bevölkerung Deutschlands und weiter Teile des restlichen Europas. Die Begründung, soweit eine solche wahnhaft versucht wurde, ruhte auf der als natürlich angesehenen Vormachtstellung einer ethnischen Gruppe über eine andere, die nicht als Folge gesellschaftlicher Umstände, sondern als Folge einer grundsätzlicheren Überlegenheit der mächtigeren Gruppe gedeutet wurde.

Der Sozialdarwinismus wurde aus der Sicht des Sozialismus überwiegend abgelehnt; schon seine Theoretiker Karl Marx und Friedrich Engels gingen davon aus, dass sich sozialdarwinistische „Grundlagen“ wie etwa die Vorstellungen von Malthus nicht auf die Natur übertragen lassen.

Heute ist der Sozialdarwinismus ein Wesensmerkmal des Rechtsextremismus. Der Kern rechtsextremer Ideologie artikuliert sich in der „Ideologie der Ungleichheit“, aus der ethnische, geistige und körperliche Unterschiede zum Kriterium für die Zuweisung eines minderen Rechts- und Wertestatus für bestimmte Individuen und Gruppen hergeleitet werden.

Kritik

Heute gilt der Sozialdarwinismus als diskreditiert. In der Biologie selbst hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass evolutionäre Vorgänge nicht von einer Höherentwicklung begleitet werden, ja dass eine objektive Einteilung der Lebensformen in höhere und niedrigere Gruppen unmöglich ist. Genetische Untersuchungen haben die Existenz eines biologisch begründbaren menschlichen Rassenbegriffs, auf dem Rassentheorien und die nationalsozialistische Ideologie vom „Herrenmenschen“ beruhten, ad absurdum geführt.

Zudem geben Anhänger des Sozialdarwinismus dem Begriff des Survival of the Fittest regelmäßig eine Umdeutung, die durch den biologischen Kontext, in den Darwin ihn stellte, nicht abgedeckt ist. Laut Darwin war nicht das Überleben an sich, sondern die Zeugung möglichst vieler überlebens- und fortpflanzungsfähiger Nachkommen Grundlage biologischen Erfolges. Dazu zeigt sich, dass sowohl die von Sozialdarwinisten abgelehnte genetische Vielfalt als auch die Existenz altruistischer Verhaltensweisen in der Natur weit verbreitet sind und sich meist positiv auf die evolutionäre Fitness einer Art auswirken.

Schließlich gilt schon die unreflektierte Übernahme einer an der Tier- und Pflanzenwelt orientierten Theorie zur Beschreibung menschlicher Beziehungen als ungerechtfertigt. Von philosophischer Seite aus hat sich darüber hinaus grundsätzlicher Widerstand gegen die Gleichsetzung eines biologischen Ist-Zustandes mit einem moralischen Soll-Zustand erhoben. Der im Rahmen des Biologismus manchmal noch anzutreffende Versuch, aus der Natur Wertvorstellungen für die menschliche Gesellschaft abzuleiten, gilt heute als naturalistischer Fehlschluss (naturalistic fallacy).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin (23.10.08)




Charles Robert Darwin (* 12. Februar 1809 in Shrewsbury, England; † 19. April 1882 in Downe) war ein britischer Naturforscher und gilt durch seine wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.

Werk

Darwin vertrat vier Hypothesen, auf denen seine Evolutionstheorie aufgebaut ist:

  1. Veränderlichkeit: Die Welt ist nicht unveränderlich, sondern unterliegt einem kontinuierlichen Veränderungsprozess.
  2. Gemeinsame Abstammung: Alle Organismen stammen durch einen kontinuierlichen Verzweigungsprozess von gemeinsamen Vorfahren ab.
  3. Allmählichkeit der Evolution: Die Evolution erfolgt stets allmählich und nicht in Sprüngen.
  4. Natürliche Auslese: Die am besten angepassten Individuen zeugen die meisten Nachkommen, wodurch schlechter angepasste verdrängt werden. Abänderungen, welche weder vorteilhaft noch von Nachteil sind, werden von diesem Prozess nicht berührt.

Diese Hypothesen beruhen auf drei Schlussfolgerungen aus folgenden Annahmen:

  1. Alle Arten besitzen eine derart potentielle Fruchtbarkeit, dass ihre Populationsgröße exponentiell anwachsen würde, wenn alle Individuen sich wieder erfolgreich fortpflanzen würden.
  2. Eine Population ist normalerweise weitgehend stabil.
  3. Die natürlichen Ressourcen sind begrenzt, aber relativ konstant.
  4. Zwei Individuen einer Art sind niemals gleich. Damit ergibt sich eine große Variabilität innerhalb einer Population.
  5. Ein großer Teil der Variabilität ist erblich.

Folgerungen:

  • 4.1 Aus den Tatsachen ergibt sich, dass unter den Individuen einer Population ein Kampf ums Dasein stattfinden muss und nur ein Teil der Nachkommen überleben kann.
  • 4.2 Das Überleben im Kampf ums Dasein erfolgt nicht zufällig, sondern hängt zum großen Teil von der erblichen Konstitution der überlebenden Individuen ab. Dieses ungleiche Überleben ist ein natürlicher Ausleseprozess.
  • 4.3 Im Verlauf von Generationen führt die natürliche Auslese zur allmählichen Abänderung der Population, d. h. zur Evolution und Erzeugung neuer Arten.

Da Darwin seine Vorstellungen mit dem sich damals entwickelnden Sozialdarwinismus auch auf soziale Konflikte übertragen sah, versuchte er sich davon in einigen Spätwerken zu distanzieren. So betont er in Descent of Man: Moralische Fähigkeiten sind höher einzustufen als intellektuelle. Moralische Eigenschaften erleben einen direkten oder indirekten Fortschritt weit mehr durch das Einwirken von Gewohnheit, Vernunft, Anleitung, Religion etc. denn durch die natürliche Auslese.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault (29.10.08)



Michel Foucault (* 1926 in Poitiers; † 1984 in Paris) war ein französischer Philosoph, Psychologe und Soziologe. Foucaults Arbeiten sind meist historische Analysen, die untersuchen, wie Wissen entsteht, Geltung erlangt und Macht ausgeübt wird. In diesem Zusammenhang untersucht Foucault unter anderem den Wahnsinn, die Medizin, die Humanwissenschaften, das Gefängnis und die Sexualität.

In Überwachen und Strafen (1975 in Frankreich, 1977 auf Deutsch) setzt Foucault seine Untersuchungen über die polymorphe Macht, ihre Techniken und Wirkungsweisen v. a. am Beispiel des Gefängnisses fort Wichtig wurde in der laufenden Rezeption die Feststellung, dass es sich bei den Überwachungspraktiken nicht um aus der Gesellschaft ausgelagerte Prozesse handelt, sondern sie sich auch in den neu entstehenden Fabriken, Schulen und anderen Institutionen nachweisen lassen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen (29.10.08)

Repressionsthese

In Überwachen und Strafen stellt Foucault eine Repressionshypothese auf, die sich als eine der Grundannahmen der postmodernen Philosophie herausstellen sollte.

Laut Foucault kann Repression und Überwachung nicht einfach als einseitiges Verhältnis einer Einwirkung auf einen zuvor "ganzen Körper" oder "ganzen Geist" verstanden werden. Macht, und mit ihr auch Repression, seien so nicht nur unterdrückend, sondern auch produktiv. Das heißt, dass erst die Machtstrukturen überhaupt die Subjekte konstituieren, die dann eine Gesellschaft bilden. Foucault macht dabei drei große Machttechniken aus:

  1. Einschließung der Individuen in einen nach außen abgeschlossenen Bereich, wobei jeglicher Transfer zwischen dem eingeschlossenen Bereich und der äußeren Welt, etwa von Menschen oder Gütern, kontrolliert werden kann.
  2. Parzellierung, d. h. jedem Individuum wird ein fester Platz und feste Funktion zugewiesen, wodurch eine Kontrolle der Individuen und ihrer Leistungen effektiviert wird.
  3. Hierarchisierung, d. h. die Individuen werden nach Rang und Status klassifiziert. Jedes Individuum ist dann durch einen ganz bestimmten Abstand zu Anderen definiert und wird versuchen, sich jener Norm, welche der Klassifikation zu Grunde liegt (z. B. gute Noten, hohe Produktivität), anzupassen.

Nachdem diese Machttechniken im 16. und 17. Jahrhundert erst langsam entwickelt wurden und sich im 18. und 19. Jahrhundert in Reinform durchsetzten, ist seit dem eine weitere Optimierung der Disziplinartechniken zu beobachten. Zwar sind die Einflüsse der machtausübenden Institutionen selbst geschwunden (in der Schule durch Pädagogik, in der Firma durch Gewerkschaften und die Lehre vom Angestellten), dafür wurden aber immer mehr und immer subtilere Zwischeninstitutionen geschaffen, die erstens das Individuum durch kontrollierte Zugeständnisse gefügig hielten (Pädagogik, Rechte von Gefangenen, Schülern, Soldaten usw.) und zweitens sich immer breiter in der Gesellschaft verteilten (Schule wird über Zeugnisse und Leistungen mit Firma verbunden, Schule und Jugendamt und Mitbürger kooperieren bei der Überwachung von Familien etc.).

(s.o im Fließtext):

Foucault beschreibt die Gesellschaft als ein Gebilde, das von kleinsten Machtlinien durchsetzt ist und in der alle Individuen ständig von Machtmechanismen besetzt werden. Macht soll dabei als etwas Vielgestaltiges, Vielschichtiges, Ungreifbares verstanden werden, das Menschen nicht besitzen, sondern höchstens in begrenztem Maße von strategischen Positionen aus steuern können. Äquivalent vertritt Foucault hier eine systemdarwinistische Position, d. h. Systeme (z. B. Staaten, Firmen), deren Überwachung effektiv sowohl die Produktivität steigert als auch die Kosten für Herrschaft reduziert, setzen sich gegenüber anderen Systemen zwangsläufig durch.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault (29.10.08)

Wirkung

Zum anderen gab es entschiedene Kritik von marxistischen Denkern: Foucault begreife Macht als ein vorgesellschaftliches und nicht unbedingt an die Ökonomie gebundenes Verhältnis. Macht werde bei ihm zu einer ahistorischen Konstante, die jede Veränderung dieser ausschließe. Macht selbst betrachtet er als eine Wechselbeziehung zwischen Individueen, wobei die "mächtigeren" Personen auf das Verhalten der weniger mächtigen Personen einwirken. Letztere haben jedoch die Möglichkeit des Einflusses, sind so also nicht "ohnmächtig". Somit wird der Begriff "Macht" verdinglicht (statt "Machthaber" -> "Machtbeziehung").

Kritik am Werk Foucaults

Hans-Ulrich Wehler, deutscher Historiker, kritisierte Foucaults Werk harsch. Wehler zufolge erfreut sich Foucaults Werk in der derzeitigen Wissenschaftsgemeinde zu Unrecht großer Resonanz, denn seine Theorie sei an zahlreichen Stellen unzulänglich und von inneren Widersprüchen durchzogen. Wehler kritisiert unter anderem Unzulänglichkeiten in der historischen Analyse. Auch leide Foucaults Werk unter einem Frankozentrismus, was schon daran erkennbar sei, dass Foucault die Arbeiten zentraler Theoretiker wie Max Weber und Norbert Elias nicht zur Kenntnis genommen habe. An Foucaults Diskurstheorie kritisiert Wehler vor allem, dass sich die Diskurse verselbständigen würden. Subjekte seien aber nicht die Diskurse selbst, sondern die Träger der Diskurse, von denen bei Foucault keine Rede sei. Den Machtbegriff Foucaults hält Wehler für „zum Verzweifeln undifferenziert”. Foucaults These der "Disziplinargesellschaft" sei überhaupt nur dadurch möglich, dass Foucault keinerlei Unterscheidung von Autorität, Zwang, Gewalt, Macht, Herrschaft und Legitimität kenne. Hinzu komme, dass sich Foucaults These von der „Disziplinargesellschaft” auf eine einseitige Quellenauswahl (psychiatrische Anstalten, Gefängnisse) stütze und andere Organisationstypen wie beispielsweise Fabriken außen vor lasse. Insgesamt kommt Wehler zu dem Ergebnis, dass Foucault „wegen der endlosen Mängelserie seiner sogenannten empirischen Studien (...) ein intellektuell unredlicher, empirisch absolut unzuverlässiger, kryptonormativistischer 'Rattenfänger' für die Postmoderne” sei.

20.10.08 – 03.11.08